Innenansichten

Innenansichten

Seit dem Einbau des Gemeindezentrums Ende der 80er Jahre im Osten der Gustav-Adolf-Gedächtniskirche führen die ersten Schritte durch das Hauptportal nicht mehr direkt in die Kirche selbst. Hinter den schweren doppelten Eingangstüren öffnet sich ein freundlicher Raum, der den Stil des Einbaus insgesamt erahnen lässt. Der Grundstein aus dem Jahr 1989 hat hier seinen endgültigen Platz gefunden.

Der Kirchenraum
Jenseits der gläsernen Flügeltüren fällt dann der Blick, dem Mittelgang zwischen den Sitzreihen folgend auf das Ensemble am und im Westchor: das riesenhafte Kreuz über dem Altar, der Orgelprospekt und das bunte Rundfenster.
Das Kreuz
Der Christus am Kreuz ist eine frühe Arbeit des Nürnberger Künstlers Heinz Heiber. Das „Triumphkreuz“, wie Heiber sein Werk selbst nennt, ist aus Lindenholz, misst 6,8 x 4,8 Meter und ist in den Jahren 1954/55 entstanden.
Die Orgel
Die Orgel, deren gewaltiger Kastenprospekt den Chorraum beherrscht,  wurde in den Jahren 1957 bis 1961 gebaut. (mehr dazu in einem eigenen Artikel)
Das Rundfenster
Im Rundfenster hat Heinz Heiber mit rotem und farblosem Betonglas das Pfingstgeschehen dargestellt. Das Fenster hat einen Durchmesser von 3,8 Metern und wurde am Pfingstsonntag, 17. Mai 1964 eingeweiht.

Der Altar
Die Mensa (Altartisch) aus Muschelkalkstein ist nach einem Entwurf des Architekten German Bestelmeyer gefertigt und konnte nach dem Krieg originalgetreu restauriert werden.
Der Altaraufsatz ist eine Stiftung der Familie von Petz, Lichtenhof, und besteht ursprünglich aus sechs kerzentragenden Engeln (1,55 m), die nach Modellen des Akademieprofessors Wackerle, München, von der Nürnberger Erzgießerei Christoph Lenz 1930 in Messing gegossen wurden.
(Die beiden Engel, die in der Bombennacht jeweils ganz außen standen, sind durch herunterfallende Teile vom Altar gestoßen worden und zerbrochen. Diese beiden „gefallenen“ Engel haben hinter den Kirchenbänken einen neuen Platz gefunden und laden ein zum Innehalten, zur stillen Andacht oder zum Gebet – und dazu, ein Licht anzuzünden.)
Die sechs Leuchter (ca. 0,5 m, von Petz’sche Stiftung) gehören auch zur Ausstattung des Altars von 1930.
Das Altarkreuz von Heinz Heiber ist eine vergoldete Bronzearbeit mit eingearbeiteten Glasfluss-Bruchstücken. Es schmückt den Altar seit Anfang der 60er Jahre.

Der Taufstein
Der Taufstein, ein Würfel aus Muschelkalkstein mit einem Meter Kantenlänge, steht auf einer Bodenplatte aus gleichem Material (1,8 x 1,8 m). Die Platte trägt die Inschrift aus Johannes 3 Vers 5: ES SEI DENN DASS JEMAND + / GEBOREN WERDE AUS WASSER + / UND GEIST SO KANN ER NICHT + / IN DAS REICH GOTTES KOMMEN +.
In den Taufstein sind die Worte eingeschlagen: LASSET DIE KIND / LEIN ZU MIR KOM / MEN UND WEHRET / IHNEN NICHT MARC 1014 (Markus 10,14)
Der Gemeinde zugewandt trägt der Taufstein das Christusmonogramm aus den griechischen Buchstaben X (Chi = ch) und P (Rho = r).
Der Entwurf stammt von Architekt Bestelmeyer. Auf der Rückseite ist der Name des Stifters zu lesen: GESTIFTET / VON DIPL:ING / GEORG GAMBEL / A DOMINI 1930
Die Motive auf dem kupfernen Deckel, nach Modellen von Bildhauer Ernst Andreas Rauch, sind die Zeichen der vier Evangelisten Matthäus (Engel), Markus (Löwe), Lukas (Stier) und Johannes (Vogel). Er wurde von dem Nürnberger Kupferschmiedemeister Hans Luther renoviert.

Die Kanzel
18 Stufen führen hinauf zur Kanzel, die im Entwurf auf den Architekten Bestelmeyer zurückgeht und nach dem Krieg originalgetreu restauriert wurde.

Das Lesepult
Um das Jahr 1960 schuf Heinz Heiber das Lesepult. Die Frontplatte, ein Bronzeguss, ist verziert mit den Symbolen für den Heiligen Geist (Taube), das Heilige Abendmahl (Kelch) und die Gemeinde (Fisch, altkirchliches Symbol, geheimes Erkennungszeichen der Christen in Zeiten der Verfolgung) und den Worten aus Psalm 84 Vers 5:
WOHL DENEN DIE IN DEINEM HAUSE WOHNEN DIE LOBEN DICH IMMERDAR.

Die Bänke, Emporen, Wände und Decken
Die zweimal vierzehn Bänke im Kirchenschiff (aus dem Jahr 1955) bieten Platz für je zwölf bis fünfzehn Personen. Auf den vier Emporen (ebenfalls 1955) stehen je etwa 100 Plätze zur Verfügung (Die Notbänke der Jahre 1949 bis 1955 haben hier eine sinnvolle Weiterverwendung gefunden) = ca. 800 Sitzplätze.

Ursprünglich waren die Backsteinwände im Inneren der Kirche genau so glatt wie außen. Durch den Kirchenbrand wurden die Steine größtenteils ausgeglüht und sind dadurch schwarz und brüchig geworden. Im Zuge der Wiederherstellung der Kirche wurden sie abgespitzt und neu verfugt. Glatt sind die Wände nur dort, wo sie ergänzt werden mussten.
Am Altar zeigt ein Blick nach oben, in den Bogen, wie der Architekt den Backstein als Gestaltungselement genutzt hat.
Über der südlichen Treppe zur Orgelempore sind Spuren einer ehemaligen Loge zu erkennen, die nicht wieder hergestellt wurde.

Die Holzdecke über dem Kirchenschiff ist unter dem eisernen Dachstuhl aus dem Jahr 1947 aufgehängt und täuscht überraschend echt neun Querbalken und je eine Balkenreihe über den Fenstern vor.
Diese „Balken“ sind (wie in der ursprünglichen Fassung von 1930) mit den acht Seligpreisungen, den sieben Worten Jesu am Kreuz und dem Vaterunser verziert. Teile davon sind seit dem Einbau des Gemeindezentrums nicht mehr zu sehen.

Das Vaterunser beginnt, rechts über der Kanzel und zieht sich durch die ganze Wandseite nach hinten und wieder nach vorne. Es endet links über dem Taufstein.

Die Seligpreisungen (Matthäus-Evangelium Kapitel 5 Verse 3-10) schmücken die Ostseiten der Querbalken (mit Blick Richtung Orgel), beginnend über dem Altar:

  1. SELIG SIND, DIE DA GEISTLICH ARM SIND, DENN DAS HIMMELREICH IST IHR.
  2. SELIG SIND, DIE DA LEID TRAGEN, DENN SIE SOLLEN GETRÖSTET WERDEN.
  3. SELIG SIND DIE SANFTMÜTIGEN, DENN SIE WERDEN DAS ERDREICH BESITZEN.
  4. SELIG SIND, DIE DA HUNGERT UND DÜRSTET NACH DER GERECHTIGKEIT, DENN SIE SOLLEN SATT WERDEN.
  5. SELIG SIND DIE BARMHERZIGEN, DENN SIE WERDEN BARMHERZIGKEIT ERLANGEN.
  6. SELIG SIND, DIE REINEN HERZENS SIND, DENN SIE WERDEN GOTT SCHAUEN.
  7. SELIG SIND DIE FRIEDFERTIGEN, DENN SIE WERDEN GOTTES KINDER HEISSEN.
  8. SELIG SIND, DIE UM DER GERECHTIGKEIT WILLEN VERFOLGT WERDEN, DENN IHRER IST DAS HIMMELREICH.


Die Sieben Worte Jesu am Kreuz sind mit Blick nach Westen (Kircheneingang) zu lesen:

  1. VATER VERGIB IHNEN, DENN SIE WISSEN NICHT, WAS SIE TUN.(Lukas 23,34)
  2. WAHRLICH ICH SAGE DIR: HEUTE WIRST DU MIT MIR IM PARADIESE SEIN. (Lukas 23,43)
  3. WEIB, SIEHE, DAS IST DEIN SOHN, SIEHE, DAS IST DEINE MUTTER. (Johannes 19,26+27)
  4. MEIN GOTT, MEIN GOTT, WARUM HAST DU MICH VERLASSEN? (Markus 15,34)
  5. MICH DÜRSTET. (Johannes 19,28)
  6. ES IST VOLLBRACHT! (Johannes 19,30)
  7. VATER, ICH BEFEHLE MEINEN GEIST IN DEINE HÄNDE! (Lukas 23,46)


Die „Balken“ über der Orgelempore tragen die Worte:
EINS ABER IST NOT – aus der Erzählung um Maria und Martha – (Lukas 10,42) und
ALSO HAT GOTT DIE WELT GELIEBT DASS ER SEINEN EINGEBORENEN SOHN GAB (Johannes 3,16)