Pfarrer Bernd Reuther auf neuen Wegen. Behüt' Dich Gott

Pfarrer Bernd Reuther auf neuen Wegen
Bildrechte: Archiv der Kirchengemeinden, der Gemeindebrief

Die Verabschiedung war am Sonntag, den 14. März 2021, um 9:30 Uhr in der Gustav-Adolf-Gedächtniskirche. 
Für die Vesperkirchenmitarbeitenden hat am 14. März 2021 um 18 Uhr eine Andacht mit Verabschiedung in der Kirche stattgefunden.

 

Bernd Reuther spricht
Bildrechte: Archiv der Kirchengemeinden, der Gemeindebrief

mit diesen Zeilen verabschiede ich mich von Ihnen und der Südstadt.

Ich werde zum 1.4.2021 nach Ruhpolding im Chiemgau wechseln.

Ich erinnere mich noch an den Tag im Dezember 2011, an dem ich die Ausschreibung für die Stelle hier in Lichtenhof gelesen habe. Mir war die Kirche als Ort bekannt, da ich einige Verabschiedungen und Einführungen der benachbarten Kolleg*innen hier erleben konnte. Nach einigen Telefonaten war mir klar: Auf diese Stelle bewerbe ich mich.

Im Sommer 2012 habe ich dann meine Arbeit hier begonnen. Ich habe mit großer Begeisterung versucht, mein neues Arbeitsumfeld genau und differenziert wahrzunehmen. Dies auch, weil ich die gängigen Südstadtklischees nie wirklich treffend fand. Nach meinem Anfang hier trat auch ein neuer Kirchenvorstand nach der Wahl sein Amt an. Gemeinsam, so habe ich es empfunden, machten wir uns auf den Weg.

Was machen wir mit dem großen Kirchengebäude angesichts sinkender Gemeindegliederzahlen und weniger Geld? - Überhaupt: Wie muss sich Kirche in einem Quartier wie der Südstadt aufstellen, um zeitgemäß und passend für diesen Ort Kirche für andere und mit anderen zu sein?  Ich empfand es von Anfang an als großes Geschenk, dass alle Kirchenvorstehenden bereit waren, sich diesen Fragen zu stellen und gemeinsam nach Antworten zu suchen. Auch erlebte ich es als große Bereicherung, dass einige Kolleg*innen hier in der Südstadt mit Begeisterung mit auf dem Weg waren.

Zwei große Projekte wurden aus diesen Überlegungen geboren: Das Projekt Vesperkirche, das der Kirche eine ganz neue Ausstrahlung und Bedeutung geben sollte.  

Zum anderen das Projekt der Intensivierung der Zusammenarbeit, ja des Zusammenwachsens der drei Südstadtgemeinden. Die Wege, die wir bei letzterem gegangen sind, stehen deutlich vor Augen, wenn man nur „evangelisch.im süden“ genau liest. Ich bin immer noch ein Vertreter der These, dass die Zusammenarbeit sich noch intensivieren muss. Nur eine gute und effiziente Struktur bietet in Zeiten der Reduzierung gute Chancen, inhaltlich profilierte Arbeit zu machen.

Die Vesperkirche war für mich ganz persönlich ein ganz besonderes Projekt. Wahrzunehmen, wie aus einem kleinen Kreis von Menschen eine immer größere Anzahl begeisterter Projektträger*innen wurde, war eine zutiefst berührende Erfahrung. Den Samstagabend in Stuttgart, als wir ein Wochenende dort die Vesperkirche besuchten, werde ich nie vergessen. Der Eröffnungsgottesdienst der ersten Vesperkirche 2016 war das emotionale Highlight meines Berufslebens. Überhaupt war die Vesperkirche, bei aller Strukturierung und Planung, immer etwas sehr Emotionales. Die Gemeinschaft mit den Besuchenden, die unter den Mitarbeitenden, die Gespräche, das gemeinsame Nachdenken, besonders auch die Energie und die Begeisterung, die viele in dieses Projekt investiert haben und – so wie ich – sicher auch viel zurück bekommen haben, alles ganz besondere Erfahrungen, für die ich mich bei allen Beteiligten bedanken möchte. Die Netzwerke, die Zusammenarbeit mit so vielen Akteur*innen in und außerhalb der Kirche, all das war eine beglückende Erfahrung, ich möchte beispielhaft das wunderbare Miteinander mit dem Staatstheater nennen.

Natürlich gab es auch, um der Wahrheit die Ehre zu geben, Dinge, die mir schwer auf Herz und Seele gelastet haben, manches, was ich auch nicht verstehen und denkerisch nachvollziehen konnte, doch davon soll hier keine Rede sein. Ich nehme in Frieden davon Abschied, wie ich auch hoffe, dass die, für die ich zur Anfechtung geworden bin, in Frieden von mir Abschied nehmen können.

Ich bin oft gefragt worden, warum ich denn von hier weg gehe, auch weil, wie Sie meinen bisherigen Zeilen ja entnehmen können, ich mich hier sehr wohl gefühlt habe. Es gehörte bisher zu den Rhythmen meines Lebens, dass ich nie sehr lange an einem Ort geblieben bin. Vor schon einiger Zeit habe ich begonnen, intensiv darüber nachzudenken, ob ich bis zu meinem Ruhestand hierbleiben möchte – 2030, so Gott will und ich lebe – oder ob ich mir noch eine weitere Station meiner Berufsbiographie suchen will. Meine Antwort für mich war, dass das dran ist.

Warum es dann das geworden ist, was es geworden ist, hängt mit vielen Dingen aus den letzten 1,5 Jahren zusammen. Ich freue mich auf eine ganz andere Umgebung, damit auch auf andere Lebensschwerpunkte und auf eine ganz andere Art, meinen Beruf zu leben.

Ich wünsche Ihnen allen Gottes Segen und Begleitung auf all Ihren Wegen

Bernd Reuther